Medizinisches Krafttraining – Teil 1

Im Rehabilitationsprozess von Bandscheibenerkrankungen (z.B. einer Vorwölbung oder einem Vorfall), nehmen überwiegend passive Maßnahmen oder „staubige“, nicht zeitgemäße, Mattenprogramme einen Großteil der Therapie oder des Trainings ein.

Doch leider, entsprechen diese Maßnahmen nicht dem physiologischen Belastungsmuster, für das es konzipiert wurde.

Unsere Bandscheiben entsprechen bei mechanischer Belastung, wie beispielsweise beim Tragen oder (Kreuz-)heben, einem sogenannten „druckelastischen hydrostatischem System“.

Dieses System setzt sich zusammen aus einer zugfesten Hülle, dem äußeren Bandscheiben Faserring (Anulus fibrosus) und einem wässrigem, nicht komprimierbarem zentralen Gallertkern (Nucleus pulposus) und zwei benachbarten Wirbelkörpern.

Kommt es zu einer flächigen Belastung durch eine externe Last, gerät der Bandscheibenkern, je nach Last, unter großen hydrostatischen Druck.

Wird diese Last nicht flächig, sondern punktuell abgeleitet, kann es zu einer verstärkten vorderen/seitlichen Druckbelastung auf die Bandscheiben und einer erhöhten Zugbelastung auf die, auf der Rückseite liegenden, Bandstrukturen kommen.

Bei kurzfristigen Belastungen wird die Last durch den Faserring und dem Bandscheibenkern abgefangen.
Anders verhält es sich jedoch bei langfristiger (einseitiger) Belastung.

Die Folge: eine langsame und kontinuierliche Flüssigkeitsabgabe der Bandscheibe.

Dadurch nimmt der Turgor und die Dicke der Bandscheibe ab, was dazu führt, dass sich die Deck- und Bodenplatten zweier benachbarter Wirbelkörper allmählich annähern. Die Bandscheibe verschmälert sich und eine Bandscheibendegeneration ist die daraus resultierende Folge.

Auf dem MRT siehst du dann einen dunklen Bereich zwischen den Wirbelkörpern.

 

 Eine gesunde und belastbare Bandscheibe durch…KRAFTTRAINING!

„Krafttraining? Ich will doch nicht so aussehen wie Schwarzenegger.“
Keine Sorge. Wirst du auch nicht! VERSPROCHEN.

Machen wir uns nichts vor:
für Krafttraining braucht man als Trainierender nicht sonderlich viel Erfahrung. Doch wenn dir deine Gesundheit und Lebensqualität wichtig sind, solltest du auf ein paar fundamentale Dinge achten.

Kannst du dich noch an meinen Facebook Beitrag erinnern?

Ein schönes Gebiss kann mit deinen Kindern nicht im Garten spielen.
Ein gesunder und leistungsfähiger Körper allerdings schon.

Unser Körper ist wirklich ein sehr faszinierendes System und selbst für die Bandscheibengesundheit, hat sich Mutter Natur etwas Besonderes konzipiert.
Doch damit du von diesem System partizipieren kannst, musst du deinen Rücken mit EXTERNEN Gewichten belasten und darüber hinaus auf deine physiologische Krümmung der Wirbelsäule, während des Trainings, permanent achten.

Kommen wir wieder zur Bandscheibe:
die Abschlußplatten jedes Wirbelkörpers bestehen aus kompakten Knochen, die mit zahlreichen Poren durchsetzt sind. Diese Poren sind mit den Knochenmarksräumen der Wirbelkörper verbunden.
Nach einer (idealerweise) axialen und flächigen Belastung der Bandscheiben (bei einer individuellen physiologischen Krümmung der Wirbelsäule), kommt es zu einer Flüssigkeitsaufnahme aus den Gefäßen der Knochenmarksräume.

Die Folge: durch den hohen Anteil von Glykosaminoglykane  in der Bandscheibe, kommt es zu einer reversiblen Bindung von Wasser. Die Bandscheibe wird wieder „dicker“.

Diese Flüssigkeitsverschiebung von den Knochenmarksräumen in die Bandscheiben, nennt man auch Konvektion.

Wenn du ein medizinisches Krafttraining absolvieren möchtest, solltest du unbedingt folgende 4 Punkte berücksichtigen:

BECKENPOSITION
Halte dein Becken in einer neutralen Position. Alles andere sorgt nämlich dafür, dass du dich zum einen während der Übung, permanent in einer gebeugten oder gestreckten Position im Hüftgelenk befinden könntest.
Des Weiteren könnten deine Bandscheiben sehr starken Scherkräften, aufgrund einer ungünstigen Beckenposition, ausgesetzt sein, was dauerhaft zu ernsthafteren Problemen deiner Bandscheibengesundheit führen würde. 

RUMPFMUSKULATUR 
Eine gezielte Ansteuerung sorgt dafür, dass du die nötige Stabilität während des Trainings in der Wirbelsäule hast. Eine stabil gehaltene Wirbelsäule, kann die generierte Kraft aus dem Unterkörper in den Oberkörper (oder umgekehrt) übertragen und darüber hinaus, schützt und stabilisiert diese Rumpfspannung gleichzeitig deine Bandscheiben.

MOBILITÄT und STABILITÄT
Um eine stabile Wirbelsäulenposition während der Belastung gewährleisten zu können, solltest du für ausreichend Mobilität in den Schulter- und Hüftgelenken sorgen. 
Eine reduzierte Mobilität in besagten Gelenken, resultiert in einer verringerten Wirbelsäulenstabilität, während des Trainings, was zu mehr kompensatorischen Bewegungen in den Wirbelsäulensegmenten führt und sich dadurch wiederum die Scherkräfte erhöhen.

BELASTEN und ENTLASTEN
Wie du oben bereits gelernt hast, ist für eine ausreichende Ernährung der Bandscheiben, der Wechsel zwischen Belastung (Kompression) und Entlastung (Dekompression) beim Krafttraining, elementar. 
Der Schwerpunkt sollte idealerweise nah am Körper gehalten werden und der Drehpunkt (seitlich betrachtet) sich im Zentrum des Hüftgelenks befinden.

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